Steve Jobs hustet und irgendwie steht die Welt Kopf

Tuesday, June 7. 2005, 23:38
Ich meine, es hat ja jetzt sicher jeder gehört, Apple kauft seine Prozessoren in Zukunft bei Intel und die gesamte Blogger-Gemeinde steht Kopf (so Spreeblick, der Schockwellenreiter, die Computerwoche, die MacHackers und sicher noch ganz viele mehr).

Mal ne bescheidene Frage: Was ist eigentlich so toll an Apple, dass scheinbar eine fanatische Jünger-Gemeinde hinterherrennt, so tut, als wäre deren Geschäftsentscheidungen sowas wie ne persönliche Existenzbedrohung (fast alle Kommentatoren, die sich darum streiten, ob das jetzt ne gute oder ne schlechte Entscheidung war, scheinen quasi vorauszusetzen, dass Apples Firmenerfolg quasi automatisch im Interesse aller liegt).
Mal zusammengefasst: Apple ist eine Firma, die baut Computer. Die lassen sie nicht von irgendwem basteln, sondern stellt dafür nen Designer an, deshalb sehen die Teile etwas schicker aus. Außerdem haben sie ein Betriebssystem, das ist ein bißchen bunter als andere und hat n paar grafische Gimmicks (ja, ich weiss, so weit sind wir noch nicht, aber das xgl-Zeug, woran die xorg-Leute grad fleißig basteln, dürfte die Linux-Welt balt auch in diese Dimensionen heben). Außerdem funktioniert die Hardware etwas besser, weil man halt den leichten Vorteil hat, dass man sie selber zusammenstellt und nicht beim Hersteller um Specs betteln muss.

Ansonsten: APPLE IST EINE BELANGLOSE FIRMA WIE JEDE ANDERE!
Nur eine mit verdammt gutem Marketing und einer Schaar fanatischer Jünger.

Noch ein paar Zusatzgedanken: Apple war die erste Firma, die DRM-versiegelte Musik groß rausbrachte. Steve Jobs ist immer mit dabei, wenn's um DRM geht (freut ihn natürlich, dass man die Musik aus dem iTunes-Store nur auf dem hauseigenen Player spielen kann). Und, liebe Machackers, ob Euer Gott seine Prozessoren von TCG-Mitglied IBM oder TCG-Mitglied Intel kauft, dürfte am Einsatz von TCG auf Apple-Computern kaum etwas ändern. Dass sie restriktiven Technologien positiv gegenüberstehen, hat die Realität längst gezeigt.
(Grüße an DVD-Jon, Du bist unser Held!)

Es heißt auch gerne, Apple unterstützt Open Source. Das seh ich ziemlich ambivalent. Zwar isses richtig, dass Apple (lizenstechnisch gezwungenermaßen, GPL sei dank) in jüngerer Zeit das ein oder andere zu KHTML beigetragen hat. Aber Leute, macht Euch mal klar: Euren tollen Safari gäbe es einfach nicht, wenn er nicht auf die Arbeit der KDE-Entwickler aufbauen würde. Euer MacOS funktioniert nur so stabil, weil es auf GNU Darwin basiert.
Dagegen haben Projekte wie OpenOffice Probleme, ihre Applikationen auf MacOS X zu portieren, weil Apple scheinbar unzureichend Dokumentation bereitstellt, um auf Aqua zu portieren. Viele in Apple-Laptops verbaute Hardware tut nicht mit freier Software (WLAN-Karten), Specs gibt's nicht. Apples "Unterstützung" für Open Source ist eine sehr einseitige Sache.

Kommt mal von Eurem Trip runter, Apple scheint ja für viele ne Art Religion zu sein.

Trackbacks

Apple und ein Sack Reis
Im Zusammenhang mit der Verkündigung von Jobs, Apple switche nun zu Intel habe ich in einigen Blogs und im Heise Forum öfters von der "Reality Distortion" gelesen, die Jobs betreibe und der viele Appleanhänger willig folgen würden. Hanno Boeck liefert dan
Weblog: rabenhorst
Tracked: Jun 08, 10:01
Test mit Drivel
Nomeatas Blog-Eintrag zwingt mich dazu, gleich mal Drivel auszuprobieren. Es mag mein steinaltes Movable Type nicht, jedenfalls hagelt es Fehlermeldungen. Wird doch mal Zeit, die Bl0rg Blog-WG auf nen anderes System umzustellen; erste Wahl wird vermutlich S9Y sein, so denn...
Weblog: neingeist
Tracked: Jun 10, 00:25

Comments
Display comments as (Linear | Threaded)

"...steht Kopf..."

Welchen Artikel hast du gelesen? Den, in dem ich schreibe, dass es mir egal ist, welche Chips Apple benutzt?

Und dafür, dass dich das Thema kalt lässt, hat es dich ganz gut beschäftigt, oder? ;)
#1 johnny (Link) on 2005-06-08 09:56 (Reply)
"Euer MacOS funktioniert nur so stabil, weil es auf GNU Darwin basiert."

da musst du wohl was falsch verstanden haben... ist doch eher andersrum.. nicht wahr?
#2 Tom on 2005-06-09 01:25 (Reply)
Wie? GNU Darwin läuft so stabil, weil es Mac OS X gibt? Wage ich zu bezweifeln. ;)
#2.1 Doener (Link) on 2005-06-12 00:50 (Reply)
Damit ich nicht mißverstanden werde: Mir läuft es auch jedesmal kalt den Rücken runter, wenn selbsternannte Apple-Fanatics sich über ein endlich eingebautes Feature freuen, welches nach dem allgemeinen Menschenverstand schon seit langem eingebaut sein könnte (zb. das zeitversetzte Wiedergeben von Audio- und Videospuren beim Aussetzen des Streams, damit's nicht so ruckelt). Genauso wird gewissenhaft ignoriert, dass Apple seinen "Kunden" Beschränkungen aufdrückt, wie es sich kein andere leisten könnte (zb. schließen des Displays ohne sofortigen Suspend).

Aber sehen wir es mal weniger drastisch: Apple schafft es, Menschen, die absolut keine Ahnung von Rechner haben (wollen/brauchen), eben diesen sehr Nahe zu bringen. Ich sehe im Open Source Bereich ähnliche Entwicklungen (die zT hinterherhängen, zum anderne Teil weiter sind als MacOS), nur fehlt da eine Symbolfigur, um das den Leuten nahe zu bringen. Dazu braucht der Mensch halt seinen Jesus/Messias/Torwalds/Jobs.

Um ein komfortables User Interface zu entwerfen, reicht es nicht, nur "bunt" sein. Und auch Dir wird aufgefallen sein, dass gewisse Dinge/Aufgaben auf einem Mac einfacher zu erledigen sind - mit evtl. leichten Einbußen in der Flexibilität. Aber auf diese können viele Benutzer verzichten.

Wenn Du das nicht kannst, ist das OK. Lass die Fanatiker in ihrer Religion ertrinken, sei es Apple, GNU oder PaperclipOS. Aber bitte posaune nicht so herum, wie Du es im selben Atemzug Jobs vorwirfst.
#3 Niklas (Link) on 2005-12-18 15:11 (Reply)

Add Comment

Enclosing asterisks marks text as bold (*word*), underscore are made via _word_.