Die löschwütigen Admins bei Wikipedia
Monday, October 19. 2009, 18:52
Sagt euch der Name Christoph Seidler etwas?
Christoph Seidler war in den 90er Jahren steckbrieflich gesucht auf den RAF-Fahndungsplakaten. Allerdings war er nie Mitglied der RAF. Nach einigen Jahren meldete er sich den Behörden und wurde von allen Vorwürfen freigesprochen. Ähnlich erging es einigen weiteren potentiell Verdächtigen. Das fand statt zu einer Zeit, als die deutschen Behörden sehr wenig über die Struktur der damaligen dritten Generation der RAF wussten. Die Geschichte führte in der Folge zu einer Reihe von Verschwörungstheorien.
Ein, wie ich finde, beispielhaftes und wichtiges Stück deutscher Zeitgeschichte über Terrorismushysterie. Der an jüngerer Geschichte interessierte Internetsurfer könnte ja auf die Idee kommen, sich dort informieren zu wollen, wo das Wissen der Welt gesammelt wird. Allerdings befindet die Wikipedia: Nicht relevant. (Wer sich dennoch informieren möchte: hier, hier)
Es war einer von vielen Fällen, in denen ich in den letzten Jahren die Wikipedia aufrief und feststellen musste, dass der Löschwahn immer groteskere Formen annimmt. Spontan erinnern kann ich mich gerade noch an Death Spank (neues Spiel von Monkey Island-Erfinder Ron Gilbert)
Zum Glück scheinen die jetzt etwas Gegenwind zu erhalten. Kürzlich wurde der Verein MOGIS für unwichtig erklärt. Mogis steht für Missbrausopfer gegen Internetsperren und mischte in der Debatte um Zensursula und das Netzsperrengesetz kräftig mit. Den AK Zensur und Tschunk (ein unter Hackern beliebtes Getränk mit Mate und viel Alkohol) befanden die Wikipedia-Admins ebenfalls für nicht relevant. Eine schier endlose Liste. Fefe bloggt gerade viel darüber.
Bei Mogis argumentierten die Wikipedia-Admins übrigens mit mangelnden Mitgliederzahlen. Es könnte mal jemand die Löschung von Greenpeace vorschlagen. Die haben auch nur eine ein- oder zweistellige Mitgliederzahl (die lassen allgemein nur Förderer zu und Mitglieder sind nur einige wenige).
Christoph Seidler war in den 90er Jahren steckbrieflich gesucht auf den RAF-Fahndungsplakaten. Allerdings war er nie Mitglied der RAF. Nach einigen Jahren meldete er sich den Behörden und wurde von allen Vorwürfen freigesprochen. Ähnlich erging es einigen weiteren potentiell Verdächtigen. Das fand statt zu einer Zeit, als die deutschen Behörden sehr wenig über die Struktur der damaligen dritten Generation der RAF wussten. Die Geschichte führte in der Folge zu einer Reihe von Verschwörungstheorien.
Ein, wie ich finde, beispielhaftes und wichtiges Stück deutscher Zeitgeschichte über Terrorismushysterie. Der an jüngerer Geschichte interessierte Internetsurfer könnte ja auf die Idee kommen, sich dort informieren zu wollen, wo das Wissen der Welt gesammelt wird. Allerdings befindet die Wikipedia: Nicht relevant. (Wer sich dennoch informieren möchte: hier, hier)
Es war einer von vielen Fällen, in denen ich in den letzten Jahren die Wikipedia aufrief und feststellen musste, dass der Löschwahn immer groteskere Formen annimmt. Spontan erinnern kann ich mich gerade noch an Death Spank (neues Spiel von Monkey Island-Erfinder Ron Gilbert)
Zum Glück scheinen die jetzt etwas Gegenwind zu erhalten. Kürzlich wurde der Verein MOGIS für unwichtig erklärt. Mogis steht für Missbrausopfer gegen Internetsperren und mischte in der Debatte um Zensursula und das Netzsperrengesetz kräftig mit. Den AK Zensur und Tschunk (ein unter Hackern beliebtes Getränk mit Mate und viel Alkohol) befanden die Wikipedia-Admins ebenfalls für nicht relevant. Eine schier endlose Liste. Fefe bloggt gerade viel darüber.
Bei Mogis argumentierten die Wikipedia-Admins übrigens mit mangelnden Mitgliederzahlen. Es könnte mal jemand die Löschung von Greenpeace vorschlagen. Die haben auch nur eine ein- oder zweistellige Mitgliederzahl (die lassen allgemein nur Förderer zu und Mitglieder sind nur einige wenige).
Comments
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Richtigstellung: Der Löschgrund war NICHT Irrelevanz, sondern Persönlichkeitsrecht.
Ok, das erfährt man aber erst wenn man weiterklickt. Weniger lächerlich ist das allerdings nicht, über den wurden Bücher geschrieben, Filme gedreht und er hat öffentliche Interviews gegeben.
Man kann aber schwer verlangen, dass Wikipedia gegen geltendes Recht verstößt. Straftäter haben ein Recht auf Resozialisierung, das einer Berichterstattung entgegen stehen kann (siehe einerseits http://de.wikipedia.org/wiki/Lebach-Urteil, andererseits http://de.wikipedia.org/wiki/Rohtenburg). Mittlerweile versuchen auch immer mehr Prominente, die Nennung bestimmter Angaben in der Wikipedia zu unterbinden und gehen dagegen juristisch vor, z.B. Rolf Eden, der seinen zweiten Vornamen und seine Jugend nicht in der WP geschildert sehen will, obwohl darüber Zeitungen berichtet haben (http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Rolf_Eden#Editwar_Juli.2FDezember_2008), oder- was allerdings nicht WP betraf - Atze Schröder, der seinen richtigen Namen nicht lesen möchte (http://de.wikipedia.org/wiki/Atze_Schr%C3%B6der#Rechtsstreite_um_Nennung_der_b.C3.BCrgerlichen_Identit.C3.A4t_des_K.C3.BCnstlers). Netzaktivisten vertreten darüberhinaus die Ansicht, wegen des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung dürften bestimmte Daten dann nicht in WP genannt werden, wenn der Betroffene dies nicht will. So hat sich "Padeluun" erfolgreich gegen die Nennung seines bürgerlichen Namens in der WP gewehrt, obwohl er unter diesem in der Öffentlichkeit durchaus bekannt ist (http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Padeluun/Archiv/Archiv#B.C3.BCrgerlicher_Name).
Zur Löschung von MOGIS: In der Löschdiskussion war ein wesentlicher Punkt das Vorliegen unabängiger Belege dafür, dass der "Verein" über die für diesen Status erforderliche Mitgliederzahl verfügt. Solche Belege wurden nicht erbracht. Anders ist die Lage bei CCC und Greenpeace, da es sich um eingetragene Vereine handelt und die erforderliche Mitgliederzahl bei Gründung durch das Registergericht geprüft wurde.
Zur Löschung von MOGIS: In der Löschdiskussion war ein wesentlicher Punkt das Vorliegen unabängiger Belege dafür, dass der "Verein" über die für diesen Status erforderliche Mitgliederzahl verfügt. Solche Belege wurden nicht erbracht. Anders ist die Lage bei CCC und Greenpeace, da es sich um eingetragene Vereine handelt und die erforderliche Mitgliederzahl bei Gründung durch das Registergericht geprüft wurde.
Der o.g. ist kein Straftäter. Insofern stimmt das schonmal nicht.
Ich will mit Sicherheit nicht gegen Persönlichkeitsrechte argumentieren, aber die waren in o.g. Fall nur Spekulation.
Zu MOGIS: Welche Rolle spielt es für die Relevanz, ob der Verein genügend Mitglieder besitzt? Relevant ist MOGIS dadurch, dass in einer wichtigen politischen Debatte eine Stimme der Betroffenen wahrgenommen wurde.
Ich will mit Sicherheit nicht gegen Persönlichkeitsrechte argumentieren, aber die waren in o.g. Fall nur Spekulation.
Zu MOGIS: Welche Rolle spielt es für die Relevanz, ob der Verein genügend Mitglieder besitzt? Relevant ist MOGIS dadurch, dass in einer wichtigen politischen Debatte eine Stimme der Betroffenen wahrgenommen wurde.
Nochmal MOGiS: Klar ist, dass es ein "Phänomen" MOGiS gibt. Einen Vereinseintrag in eine Enzyklopädie könnte es aber nicht geben, wenn es keinen Verein gäbe (bewusst im Konjunktiv formuliert). Es müsste dann eventuell eine andere Lösung gefunden werden.
in diesem zusammenhang bin ich auf die seite http://www.pluspedia.de gestossen: dort finden sich in der "Kategorie: Wikipedia Blamage (http://www.pluspedia.de/index.php/Kategorie:Wikipedia_Blamage) derzeit 109 gelöschte wikipedia-artikel.
da die sammlung erst im mai 2009 begonnen wurde, finden sich ältere artikel, die der löschwut zum gefallen sind, dort leider nicht...
da die sammlung erst im mai 2009 begonnen wurde, finden sich ältere artikel, die der löschwut zum gefallen sind, dort leider nicht...
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