Neonazis und sonstige Rechte

Tuesday, January 25. 2005, 22:27
Die Medien sind grad mal wieder voll davon. Die VS-Spitzel-Partei NPD hat sich im sächsischen Landtag geäußert. Herausgekommen ist eigentlich nichts überraschendes. Nazis sind Nazis und bleiben Nazis. Warum also der ganze Wirbel?
Meiner Ansicht nach greift die Debatte um die NPD viel zu kurz. Eine leider viel weniger beachtete Meldung: Die Junge Union Wismar- Nordwestmecklenburg wollte den erklärten Antisemiten Martin Hohmann zu einer Veranstaltung einladen.
Das scheint mir der wahre Grund für den Wirbel um die NPD zu sein: Die bürgerlichen Rechten brauchen die Neonazis, um von ihrer eigenen Scheiße abzulenken. Man regt sich über einen Spinner wie Holger Appel auf, ohne sich mal zu fragen, woher eigentlich der braune Sumpf kommt, der sich da seit über zehn Jahren in Ostdeutschland zusammenrottet. Rostock-Lichtenhagen wär nicht passiert ohne einen Mob aus der "Normalbevölkerung". Die Erfolge der Rechten speisen sich aus der "Mitte der Gesellschaft".
Richtig gefährlich werden die Rechten dann, wenn sie nicht offensichtlich daherkommen, sondern im bürgerlichen Schafspelz, wie ein Hohmann, ein Schill, ein Möllemann, ein Gauweiler oder ein Haider.
Oder, um es in den Worten eines Theodor Adorno zu sagen:
Ich betrachte das Nachleben des Nationalsozialismus in der Demokratie als potentiell bedrohlicher denn das Nachleben faschistischer Tendenzen gegen die Demokratie. [...] Nur darum machen zwielichtige Figuren ihr come back in Machtpositionen, weil die Verhältnisse sie begünstigen."

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Manchmal Bücher zu "vergessen" scheint doch zu wirken ;-)

Noch was Inhaltliches: Die Perspektive, die du vermittelst halte ich für zu normativ. Viel eher sehe ich eine Ambivalenz und ein gegenseitiges Bedingen der beiden Strömungen (eigentlich sind es viel mehr Strömungen aber egal). Es besteht also keine Ausschließlichkeit. Weder ist die NPD ungefährtlich, noch ist die bürgerliche Rechte, die Bösartigkeit par excellence. Vielmehr spielt sich in der Dialektik der beiden Strömungen die Gefahr für Demokratie und Rechtstaat - der ja gegen Neonazis jederzeit verteidigenswert ist - und zugleich auch die Chance antifaschischister Politik, welche sich des postfaschistischen Charakters der BRD und der ehem. DDR bewusst ist, diesen analysiert und in ihre Kritik miteinbezieht. Alles andere ist kalter Kaffee und ein peinlicher Wettbewerb darum, wer die böseren Rechten sind. Rechte sind reaktionär, lustfeindlich, antiemanzipatorisch. Und deswegen zu kritisieren. Und zwar alle.
#1 Lars Strojny (Link) on 2005-01-26 17:31 (Reply)
Neonazis und sinstige Rechte.

Appropos Rechte.

Die hat jede Partei.
Auch wenn sie, wie die NPD Ziele vertritt die in der Öffentlichkeit nicht gut darstehen.
Ich jedenfalls war wutentbrannt als Österreich(da wohne ich)für eine demokratische Entscheidung sanktioniert wurde.

Ist das die Freiheit der Demokratie?
#2 MS on 2005-02-14 16:37 (Reply)
Fucck the Nazis!
#3 Anonymous on 2005-03-27 10:17 (Reply)

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